Die höchste Form der Menschenkenntnisse

Das Schöne an dem Umstand, sein Ego abgelegt zu haben, ist unter anderem folgender Punkt: Man weiß, wie man sich anderen gegenüber zu verhalten hat. In einem tieferen Verständnis bedeutet dies, dass man die höchste Kunst Menschen beherrscht. Und die Kunst der Menschenkenntnisse ist meiner Meinung nach die schwierigste aller Künste, die das Leben zu bieten hat.

Praktiziert man sie durch das eben erwähnte Prinzip, hat man es unter anderem nicht mehr nötig – um in dieser zuvor erwähnte Kunst gewandt zu sein – Geld für Kommunikationsseminare auszugeben ausgeben, die manchmal mehr kosten als eine Monatsmiete für eine 50-Quadratmeter-Wohnung in München. Dann erübrigt es sich auch, Bücher mit Titeln wie „Menschen lesen“ oder „Wie man Freunde gewinnt“ zu lesen (niemand sollte meinen, er müsse Freunde „gewinnen“).

In einem Einheitsbewusstsein hingegen – das nur durch die vorherige Zerstörung des „Ichs“ oder zumindest durch dessen teilweise Zerstörung erreicht werden kann (denn eine Grenze zwischen „teilweise“ und „vollständig“ ist illusorisch) – ist man, was die Menschenkenntnis angeht, sogar viel weiter als die besten Ausbilder dieser Kommunikationsseminare, denn die meisten Menschen (und solche Ausbilder gehören dazu) befinden sich in einem Ich-Bewusstsein. Und in diesem Bewusstsein können wir alle Techniken anwenden, die wir wollen, um die Kunst der Menschenkenntnisse besser zu beherrschen: Das bleibt die Kreisklasse in Bezug auf das menschliche Wissen. Wenn wir in die Champions League aufsteigen wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir hören auf, uns mit allen Merkmalen zu identifizieren, die zu einem „Ich“ gehören (Körper, Vergangenheit, Wissen, Herkunft, Religion, sozialer oder beruflicher Status etc.) und gehen als „Bewusstsein“ (nenn es: Atman; Shunyata; das (absolute) Selbst oder die unzerstörbare und ewige Essenz des Geistes) durch das Leben, als jemand, der immer mit der ursprünglichen Quelle verbunden ist und gleichzeitig im Hier und Jetzt ist. Und dann nehmen wir die Person einfach so wahr, wie sie ist – ihren Körper, ihre Energie, ihre Stimme. Wir urteilen nicht. Mit der Urquelle verbunden sein bedeutet: nicht urteilen. Urteilen bedeutet: im „Ich“ zu sein. Stattdessen unvoreingenommen auf jeden Menschen zuzugehen, unvoreingenommen mit jedem Menschen zu sprechen, unabhängig davon, wie er aussieht, wie er spricht oder wie er sich in einem bestimmten Moment fühlt: Das bedeutet, die Kunst der Menschenkenntnis in hohem Maße zu beherrschen. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt an diesen Punkt gelangt, den kann ich nur beglückwünschen.

Um dein Mitteilungsbedürfnis zu stillen...