Kältetraining

„Der Herbst ist da und es wird kälter. Sobald wir kalte Füße bekommen, ziehen wir Wollsocken an. Sobald die Temperatur 17 Grad oder etwas weniger erreicht, ziehen wir einen Pullover über unser Hemd. Wir gehen fast nie ohne Schal aus dem Haus, da wir immer einen warmen Hals brauchen.

Eine Möglichkeit seine Willenskraft zu stärken, (um zum Beispiel täglich länger nach Gold suchen zu können) besteht darin, nicht sofort auf jeden Temperaturabfall mit dem Tragen von warmer Kleidung zu entgegenzuwirken. Dadurch wird nicht nur die Willenskraft gesteigert, sondern auch die Gesundheit verbessert. Dieses Verfahren nennt sich Kältetraining und dadurch wird die Fettverbrennung angekurbelt und die Durchblutung verbessert (kurzum: das Immunsystem). Es gibt sogar noch einen weiteren Punkt, der mir erwähnenswert erscheint: Wenn wir im Herbst oder sogar gelegentlich im Winter mit deutlich weniger Kleidung ins Freie gehen, werden wir feststellen, dass sich niemand dafür interessiert, was wir tragen. Vielleicht schaut uns ab und zu jemand ein bisschen länger an, aber ansonsten wird alles so sein, wie immer. Wenn Ihnen demnach „Freiheit“ wichtig ist, dann sollten Sie sich nicht darum kümmern, was andere über Sie denken. Und seien Sie sich immer bewusst: Nicht das Extrem gut ist, sondern die goldene Mitte.“

Dieser Text stand einst auf einem hölzernen Aushängeschild, das an der Tür eines Bekleidungsgeschäfts irgendwo im Gebiet des Yukon angebracht war. Der Grund für das Schild: 1898 brachen Hunderttausende junge und starke Männer in den Nordwesten Kanadas auf, um nach Gold zu suchen. Heute ist dieses Ereignis unter dem Namen „Klondike-Goldrausch“ bekannt. Jendenfalls brauchten all diese Männer warme Kleidung, und weil die Nachfrage so groß war, und Jim, der dort seit über 30 Jahren ruhig seinen Laden führte, in dem er fast nur Kleidung verkaufte, die seine Frau und Emma, die gute Freundin seiner Frau, gestrickt hatten, wurde seine gesamte Ware innerhalb weniger Tage leergekauft. Also erfand er einen Grund, um all die jungen und starken Männer zu beruhigen, die dort oben in den rauen und kalten Bergen nach Gold suchten, ohne genügend warme Kleidung wie Wollsocken oder ein Bärenfell dabei zu haben. Doch all diese Männer, die vor seiner – nach dem Ausverkauf geschlossenen – Tür standen, waren nicht wirklich zum Scherzen aufgelegt, denn in den Yokun-Bergen war es damals im Herbst selten „17 Grad oder etwas weniger“, und sie machten aus dieser Hütte schnell Kleinholz. Aber das Schild blieb: Jims Sohn Jack fand es unter dem Kleinholz und übergab es seinem Sohn Johnny, und Johnny seinem Sohn usw. Um zum Ende zu gelangen: Die Hütte wurde von Jack und Jim wiederaufgebaut. Zwar werden dort heute von Jacks Nachfahren keine Bärenfelle mehr verkauft, aber das Schild findet man dort immer noch: original, eingerahmt und an der Innenseite der Tür hängend.

Um dein Mitteilungsbedürfnis zu stillen...