Leg ab, deinen Ernst

Hast du dich schon mal gefragt, worum es im Leben überhaupt geht, wozu der Mensch überhaupt da ist oder was der Sinn des Lebens ist? Ich bin mir sicher, dass du es schon mehrmals getan hast. Doch was ist deine Antwort? Dass der Mensch ein Teil der Schöpfung ist, weil er arbeiten und Kinder in die Welt setzen muss? Oder vielleicht, weil er vernünftig und tugendhaft handeln muss, was impliziert, dass er sein Ego hintenan stellen und seinen Mitmenschen so gut es geht helfen muss, damit auch sie es nicht allzu schwer im Leben haben?

Auch ich möchte dir eine Antwort vorstellen. Eine Antwort, die, wie ich finde, es wert ist, sich genauer mit ihr zu befassen.
Was hältst du von der Aussage, dass es im Leben darum geht, das Leben zu feiern – es lachend und tanzend zu feiern? Oder wie Friedrich Nietzsche in seinem Zarathustra verkündet: „Ich sage euch: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich
sage euch: Ihr habt noch Chaos in euch.“

Das Ding ist nämlich: Das Leben ist kurz. Was sind schon 80 Jahre? Was sind 90, was sind 100 Jahre? Zugegeben, 100 Jahre Leben sind nicht gerade wenig, doch wer wird schon 100? Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Viel wichtiger als das Alter, welches man erreicht, ist die Frage: Wie hat man gelebt? Und es gibt nicht einen triftigen Grund, sein Leben nicht tanzend und lachend zu leben. Es gibt nicht einen triftigen Grund, das Leben nicht dauerhaft zu feiern. Eben aus dem Grund, weil das Leben „kurz“ ist und weil es ein Ende hat! Aber es gibt noch einen anderen Grund, weshalb man das Leben ständig feiern sollte: Die Existenz des menschlichen Lebens verfolgt kein höheres Ziel. Denn wenn es so wäre, dann würden ja alle Menschen nach diesem Ziel streben. Der Mensch hat demnach weder die Aufgabe, den Kosmos davon abzuhalten, dass dieser expandiert noch den Weltraum zu erforschen und sich auf neuen Planeten anzusiedeln. Er hat nicht einmal die Aufgabe, den Planeten Erde von dem ganzen Müll zu befreien, um ihn auch in Zukunft weiterhin bewohnbar zu machen. (Es wäre in der heutigen Zeit jedoch ganz gut, würde er es sich zur Aufgabe machen.) Der Mensch hat überhaupt keine Aufgabe, der er nachgehen muss. Vermutlich wird es den Menschen irgendwann – wer weiß, vielleicht sogar in naher Zukunft – auch nicht mehr geben. Was in der Zukunft geschehen könnte, ist jetzt auch nicht von Bedeutung.
Es ist jedoch von Bedeutung, sich bewusst zu machen, dass der Mensch nicht wegen eines bestimmten Zwecks existiert, außer, er schreibt sich einen Zweck selbst zu. Und wer sich dessen wirklich bewusst wird, hört auf, sich wegen irgendwelchen Belanglosigkeiten – also in 99 von 100 Fällen – Sorgen zu machen. Wer sich dessen wirklich bewusst wird, hört auch auf, hart an seinen Zielen zu arbeiten; weder an sich selbst, um sich verbessern noch daran, viel Geld zu verdienen, um sich davon viele „tolle“ Sachen zu kaufen. Wer sich dessen wirklich bewusst wird, hört grundsätzlich damit auf, hart und viel zu arbeiten, und fängt an, das Leben zu feiern. Fängt an, tanzend und lachend durchs Leben zu schreiten. So ein Mensch kommt einfach an im Leben. Und ankommen bedeutet: nirgendwo hin zu müssen; nichts erreichen zu müssen. Aber auch: den Ernst ableben. Denn entweder tanzt und lachst du immerzu oder bist immerzu ernst. Beides zusammen ist nicht vereinbar. Hin und wieder ein kleines bisschen Ernst sein, dagegen spricht nichts. Aber es spricht was dagegen, ständig ernst zu sein, ständig nach irgendwas zu streben, irgendwas erzwingen zu wollen, irgendwo hin zu müssen.

Daher leg einfach ab deinen Ernst und fang an, zu tanzen und zu lachen, und wenn du willst, natürlich auch noch zu singen.

Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!

Um dein Mitteilungsbedürfnis zu stillen...