Zwischen Alpha und Omega – Prinzipien

A: „Sag mal O., welche Prinzipien verfolgst du eigentlich?“

O: „Kommt drauf an, wie viel Zeit du hast.“

A: „Behauptest du nicht selbst, Zeit sei ein Produkt unseres Geistes; als eigenständiges Ding, wie es die meisten annehmen, nicht vorhanden?“

O: „Habe ich soeben etwas bekundet, was diese Aussage negiert?“

A: „Ich würde sagen, wer fragt, wie viel Zeit man noch hat, ist sich des soeben von mir erwähnten Zustands nichts bewusst. Doch da ich dich mittlerweise kenne, denke ich, deine Aussage ist von dir bewusst gewählt worden. Vermutlich um mich zu testen. Zurück zu meiner ursprünglichen Frage …“

O: „Im Prinzip ist nur eine einzige Perspektive wichtig, um ein schönes Leben zu haben. Es ist die Perspektive, sich kontinuierlich seiner Äußerungen, Handlungen, seiner Interpretationen und Beurteilungen, zusammengefasst: seiner ganzen Lebensweise, bewusster zu werden.“

A: „Das erinnert mich an ein einen schönen Gedanken von Ralph Waldo Emerson: ‚Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.‘ Was verstehst du darunter?“

O: „Recht hat der gute alte Waldo. Ich hoffe, dieses Zitat entstammt nicht bloß aus irgendeinem »positive-mindset-forum«, sondern du hast auch mindestens eins seiner Werke gelesen. Du fragst mich, was ich darunter verstehe: Ist dir schon mal aufgefallen, dass ich, seit dem wir uns kennen, nicht ein einziges Mal krank geworden bin, ja nicht einmal einen leichten Schnupfen hatte?“

A: „Tatsächlich … jetzt, wo du es sagst. Ist das eine Folge deiner wöchentlichen Sporteinheiten?“

O: „Unter anderem. Irgendwann wurde mir einfach bewusst, dass Sport, das richtige Maß an täglicher Bewegung und eine vielfältige Nahrungszufuhr, Voraussetzung sind, wenn es darum geht, nicht krank zu werden. Jemand, der raucht oder maßlos Alkohol trinkt, tut es nicht nur, um sich dadurch zu berauschen, sondern auch aus dem Grund, weil ihm die Folgen dieser Handlungen nicht bewusst sind. Ein Leben in stetigem Gewahrsein hingegen, ein „(selbst-)bewusstes“ Wahrnehmen seiner Denkweisen und Handlungen – wobei das eine grenzenlos in das andere übergeht –, vermeidet nicht nur frühzeitigen körperlichen Verfall, sondern kann, bzw. sollte vielmehr dazu genutzt werden, um seine Lebensqualität deutlich zu erhöhen. Davon kann ich ein Lied singen. Sechs Jahre wohnte ich in Berlin-Kreuzberg, einer Gegend, in der viele Bewohner ihren Müll einfach auf die Straße warfen; ihre Spucke dorthin berförderten oder das Schei…-Wort so häufig wie das Wort „Ich“ gebrauchten. Dass Menschen, die so etwas tun, auch andere Dinge tun, die nett formuliert „nicht sehr schön anzusehen“ waren (jedenfalls was mich persönlich betrifft), liegt auf der Hand. Und warum lebte ich dort 6 Jahre? Weil mir einerseits das Ausmaß dieser Vorgänge einfach nicht bewusst war, und andererseits, weil es mir nicht bewusst war, dass uns der Ort (samt seinen Bewohnern), in dem wir leben, uns stark beeinflusst. Ja, auch in solchen Gegenden unseres Planeten finden sich Menschen, die spirituell sehr weit entwickelt sind, doch können sie sich dort wegen dem Einfluss, dem sie ausgesetzt sind, nur bis zu einem gewissen Punkt entwickeln.“

A: „Und daher bist du hierhin gezogen. Um Ruhe von all diesem Getümmel zu haben und dich spirituell weiter zu entwickeln.“

Es erfolgt beiderseitig ein kurzes Schweigen.

„Wie, liebes Omega, können wir bewusster leben?“

O: „Durch Meditation zum Beispiel. Bleiben wir kurz bei dem Punkt Gesundheit. Meditation, verbunden mit der richtigen Atmung, aktiviert die Abwehrkräfte im Organismus. Wer täglich mindestens eine halbe Stunde meditiert, wird bereits nach wenigen Monaten einen Anstieg seiner Vitalität spüren, sowohl in körperlicher Hinsicht als auch in geistiger. Der Körper wird gegen alle Arten von Viren und Bakterien widerstandsfähiger und der Geist leistungsfähiger: was die Konzentration angeht, die Kreativität oder die Stressreduzierung (woraus wiederrum das positive Denken gestärkt wird). Über die Meditation werden wir uns noch oft genug unterhalten. Ich möchte noch einige Worte zu der ursprünglichen Frage loswerden, wie wir bewusster leben können. Zunächst einmal sollten wir uns vergegenwärtigen, wie sich Unbewusstheit ausdrückt: oftmals in Gedanken an die Vergangenheit oder die Zukunft zu schwelgen, anstatt im Moment zu sein; sich ärgern oder beschweren; seine Zeit Aktivitäten widmen, die nicht förderlich für die persönliche Entwicklung sind, sondern hemmend, wie der exzessive Medienkonsum durch das Smartphone oder ähnliche Geräte; zu viel (und über belangloses) Reden; seine Sinne und Begierden nicht im Zaun halten; das ständige beurteilen und werten – bezogen auf die Mitmenschen, sich selbst und Situationen; das festhalten an Grundsätzen und Meinungen, die man über dieses oder jenes hat; die Identifikation mit dem eigenen Körper, seinen Fähig- und Fertigkeiten, seinem Namen, einer Nation, einem sozialen Status und vielen weiteren Attributen, die zum „Ich“ gehören; Gewohnheiten nachgehen, die schon seit dem Kindesalter hätten ablegt werden sollen. Soll ich weitermachen?“

A: „Ich verstehe, worauf du hinaus willst.“

O: „Im Grund ist Unbewusstheit das Übel aller Übel. Alles menschengemachte, was der Natur, inklusive dem Menschen als Teil der Natur selbst, schadet, ist eine Folge unbewusster Denkweisen.

A: „Kann da ein einzelnes achtsam-lebendes Individuum überhaupt entgegenwirken?“

O: „Was glaubst du?“

Omega wendet an dieser Stelle vortrefflich die sokratische Methode an, indem er Alpha hier kein Wissen vermittelt, sondern es auffordert, den tatsächlichen Sachverhalt durch eigenes Überlegen selbst zu entdecken. Bei A. hingegen entsteht ein Gefühl großer innerer Freude, weil es sich gewahr wird, dass auch seine Meinung einen Wert hat.

A: „Ja, ich bin sogar davon überzeugt, dass schon alleine ein achtsam-lebendes Individuum eine Menge ausrichten kann! Greta ist das beste Beispiel dafür. Aber nicht nur aus der Perspektive heraus, alles sei für jeden von uns möglich ist, sondern vielmehr aus der, dass unsere bloße Gegenwart unsere Mitmenschen beeinflusst – das sagtest du vorhin ja selbst. Daher tun wir der Welt etwas Gutes, wenn wir als gutes Beispiel – als ein immerzu nach einem höheren Bewusstheitsgrad strebendes Wesen – vorangehen. Noch mehr können wir bewirken, wenn wir nicht bloß unter den anderen „anwesend“ sind, sondern wenn wir sie zusätzlich durch Worte und Taten auf ihre unbewussten Handlungen aufmerksam machen – wie bei dem achtlosen wegschmeißen einer Zigarette, die auf dem Boden landet oder beim über Rot gehen, während ein Kind dabeisteht.

Um dein Mitteilungsbedürfnis zu stillen...