Zwischen Alpha und Omega – „richtige“ Arbeit

Omega meditiert im Lotossitz mitten auf seiner Hängematte. Das Meditieren auf der Hängematte bedeutet «ansprechbar».

Alpha: „Du, O.?“

Omega antwortet nicht, da es stets vermeidet, unnötiges von sich zu geben.

A.: „Sag mal, wie kommt es, dass du so gut wie den ganzen Tag Dinge machst, die so gar nicht nach «richtiger» Arbeit aussehen? Und dennoch hast du, wie mir scheint, alles, was du für dein glückliches Leben brauchst.“

O.: „Was soll «richtige Arbeit» denn überhaupt bedeuten?“

A.: „Du weißt schon … morgens früh aufstehen – okay, das machst du –; sich in Eile fertig machen und anschließend irgendwo hingehen, wo man 8 Stunden mit Tätigkeiten verbringt, die einen so ganz und gar nicht erfüllen; nach Hause kommen; fragen, warum das Essen noch nicht auf dem Tisch steht; nach dem Essen den Fernseher einschalten; sich irgendwann nachts mit einem zerstreuten und sorgenvollen Geist schlafen legen und morgens in dem gleichen Zustand wieder aufwachen.“

A. wird sich bewusst, dass die Beschreibung, die es soeben auf «richtige Arbeit» geliefert hat, sich keineswegs nach Spaß und einem glücklichen Leben anhört. O. spürt dies und schweigt weiter.

A: Nun ja, ich gebe zu, so wie ich es geschildert habe, macht es wenig Sinn «richtig zu arbeiten». Es war ja auch nur eine Beschreibung der Lebensweise der meisten Erdbewohner, was Arbeit angeht.
Vielmehr meine ich einfach, warum du nicht täglich immerzu dem gleichen Plan folgst, was die Tätigkeiten angeht, mit denen du Geld verdienst. Ich gebe zu, auch du hast einen Plan, dem du folgst – du machst täglich deine Morgenroutine, deine 2 – 3 Spaziergänge, liest so gut wie jeden Abend, und schreibst am Vormittag 1 – 2 Stunden an deinem Blog oder an etwas anderem. Aber irgendwie sehe ich bei dir keine so richtige Trennung zwischen deiner Arbeit – die aus dem Schreiben besteht – und all deinen anderen Handlungen. Mir scheint es, als ob es da einen flüssigen Übergang gäbe; dass all deine Handlungen ineinandergreifen, ohne bestimmen zu können, was jetzt genau Arbeit ist, und was nicht. Denn oftmals sprichst du zum Beispiel schon nach deiner Meditation in dein Aufnahmegerät – ich nehme an, um das Gesagte nicht zu vergessen und um es später in Geschriebenes umzuwandeln –, oder holst während deines Frühstücks dein Notizheft hervor und notierst dort etwas, und manchmal tust du das eine oder das andere sogar kurz, bevor du dich schlafen legst.

O. schweigt weiterhin, weil es glaubt, sich bewusst zu sein, dass A. selbst auf die Lösung kommen wird; und behält Recht. A wird sich der Erkenntnis bewusst, dass es keine Trennung zwischen «Arbeit» und «Freizeit» gibt. Außerdem, dass «Arbeit» bloß ein Wort ist, dem jeder seine eigene Bedeutung zumisst; mit anderen Worten «Arbeit» ist das, was man daraus macht – dieser Impuls verschafft A. Klarheit.

 

Um dein Mitteilungsbedürfnis zu stillen...